Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

Nachbarschaftsheim Schöneberg

Im Porträt

Petra Kübler, Leiterin der Finanzverwaltung

Netz und doppelter Boden

Ohne ihr Team und sie ginge – nichts    Da spreche einer von dröger Buchhalterei. Sicher, auf den ersten Blick ist die Finanzverwaltung mit Buchungen und Überweisungen beschäftigt. Ein- und Ausgänge, tagein-tagaus. Aber von wegen. Für Petra Kübler ist diese Welt der Zahlen so bunt wie die Projekte und Einrichtungen, die dahinter stecken.

Sie leitet die Finanzverwaltung des Nachbarbarschaftsheims, sie und ihre zehn Mitarbeiterinnen sorgen dafür, dass die Arbeit überhaupt stattfinden kann. In den allermeisten Fällen sind öffentliche Gelder im Spiel, da geht es um eine besonders penible Abrechnung und Rechtfertigung – man braucht ein hoch professionelles Verwaltungswissen. Ganz eng arbeiten Petra Kübler und ihr Team mit allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Einrichtungen zusammen. Dann stellen sie gemeinsam Förderanträge, erneuern bestehende. Oder sie erkunden Perspektiven, wie zum Beispiel ein neues Angebot noch im Finanzhaushalt unterzubringen wäre.

Gemeinsam etwas anschieben

Und immer, das hebt Petra Kübler hervor, gäbe es das Ziel, gemeinsam etwas anzuschieben. Die einen liefern Ideen und Inhalte, und sie, die Finanzprofis, sichern sie ab. „Es ist eine schöne Bestätigung der Arbeit, gesellschaftlich sinnvolle Projekte voranzubringen“, sagt Petra Kübler.   Früher war die Diplom-Ingenieurin in landwirtschaftlichen Betrieben tätig, dann in einem Pflegedienst. Vor sechs Jahren kam sie ins Nachbarschaftsheim. Hier fand sie eine große Vielfalt vor. Jede erdenkliche Finanzierungsform ist vertreten. Es gibt Mittel von Bezirken, dem Senat, dem Bund und der EU sowie von Stiftungen oder Verbänden. Mehr als 100 Kostenstellen gibt es, jeden Tag müssen 50, 60 Rechnungen beglichen werden – ein riesiger Berg. Petra Kübler zählt das fast gelassen auf, so geht eben Verwaltung. Alle im Finanzressort haben klar zugewiesene Einrichtungen, für die sie tätig sind.

Mit strahlendem Blick erzählt sie  von „ihrem“ Projekt, dem Theater der Erfahrungen. Häufig trifft sie sich mit den Zuständigen. „Seit einiger Zeit machen wir unser Verwaltungswissen sogar anderen freien Trägern zugänglich“, erzählt Petra Kübler. Kleine Projekte oder Initiativen sind oft schlicht überfordert, eine Finanzierung zu erhalten. Dabei zu helfen, sei ganz der Geist des Nachbarschaftsheims.    

Nadine Markgraf, Naturpädagogin

Der Natur auf der Spur

Nadine, du arbeitest als Naturpädagogin bei Futurum Kinderkultur und Bildung e.V. und im Nachbarschaftsheim Schöneberg. Wie bist du zum NBHS gekommen?

2005 ist unser Verein Kinderkultur und Bildung e.V. gegründet worden, mit der Idee mit naturwissenschaftlichen, kindgerechten Experimenten mehr Praxis in die Grundschulen zu bringen. Wir haben viele Schulprojekte im Vor-und Nachmittagsbereich durchgeführt, die hauptsächlich mit dem Forschen und Experimentieren in der Natur und dem Aufbau von Schulgärten zu tun hatten. Dabei arbeiteten wir oft mit Einrichtungen des NBHS zusammen und so entwickelte sich die Idee, dies fest zu installieren. Gleichzeitig entstand 2007 das Kitalabor, das wir bis heute mit einem Programm begleiten dürfen; Kita Gruppen experimentieren gemeinsam mit den Erzieher/innen zu unterschiedlichen naturwissenschaftlichen Themen. Das wird sehr gut angenommen und hat sich mittlerweile fest etabliert.

Du bist sehr vielseitig und arbeitest in unterschiedlichen Bereichen. Erzähl uns doch etwas darüber...

2009 übernahm das NBHS den Abenteuerspielplatz "Spirale" in Kooperation mit der Ufa-Fabrik, den ich drei Jahre begleitet und mit aufgebaut habe. Zurzeit bin ich als Springerin in den Einrichtungen unterwegs, um dort gartenpädagogische Projekte umzusetzen. Nach wie vor kümmere ich mich an einem Tag in der Woche um den Garten der Spirale. Was motiviert dich, so viele verschiedene Projekte zu begleiten? Die Unterschiedlichkeit der Menschen, der Kinder, mit denen ich zusammen arbeite, da jedes Team und jede Kinder Gruppe anders funktioniert. Die Kinder sehen mich als kleinen "Bonbon", weil ich nur an einem Tag in der Woche in der Einrichtung bin. Alltagroutine in der Arbeit mit Kindern kenne ich nicht. Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich und ich laufe nicht Gefahr "betriebsblind" zu werden.

Was würdest du dir wünschen, wenn du etwas ändern könntest?

Ich würde in jeder Kita und an jeder Schule einen riesigen wilden Garten entstehen lassen, wo die Kinder reingehen, sich verlieren und ihren Alltagsstress vergessen können. In jeder Einrichtung sollte es einen Wasserspielplatz und eine Feuerstelle geben, wo man mit den Kindern Lagerfeuer machen kann. Ich würde ganz viele Musikpädagogen dazu holen, die mit den Kindern tanzen. Sinnliches eben.

Was machst du am liebsten, wenn du nicht arbeitest?

Ich verbringe gerne Zeit in meinem eigenen Schrebergarten, genieße die freien Stunden mit meiner Familie, meinem kleinen Sohn und Freunden. Wenn genug Zeit bleibt gehe ich meinen Hobbys nach: Fahrradfahren, Reisen, verarbeiten der Gartenfrüchte, Seife herstellen aus dem eigenen Kräutergarten, Tees kreieren und im Winter stricken.

Das Interview führte Cornelia Wargowski, ehrenamtliche Mitarbeiterin

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Sonja Henning, Gebäudemanagement, Birte Lendt, Bauleiterin

Motor sein

Sonja Henning und Birte Lendt bringen alles unter "Dach und Fach". Die Fachwirtin für Gebäudemanagement und die Bauleiterin sind zuständig für den Gebäudebestand - immerhin an die 60 Bauten.

Von der Anzahl her ergeben die Einrichtungen des Nachbarschaftsheims ja fast einen eigenen Kiez – sie sind inzwischen über 3 Stadtteile verteilt. Welche Aufgaben fallen denn da an?

Sonja Henning: Der Bestand ist groß und vielseitig. Aus den Anforderungen von Hygiene und Brandschutz, sowie der Instandhaltung und regelmäßigen Wartung/Prüfung der baulichen und technischen Anlagen ergibt sich eine Fülle an Pflichten und Aufgaben. Zu meinen Aufgaben gehört es diese spezifischen Anforderungen umzusetzen um so einen sicheren und kontinuierlichen Betrieb unserer Einrichtungen zu gewährleisten.

Nun wächst der Bestand immer noch, manchmal baut man sogar selbst...

Birte Lendt: Das ist dann meine Aufgabe. Zuletzt haben wir für die Kita Stegerwaldstrasse einen Anbau errichtet. Zurzeit wird das Kinderzentrum „Lindenhof“ in der Reglinstraße um ein 4-geschossiges Gebäude erweitert. Im Sommer dieses Jahres entsteht im Kinderfreizeittreff Menzeldorf ein neues Stallgebäude für Kleintiere.

Die Bauvorhaben werden von mir als Bauleiterin betreut. Die Planungen selbst hat zuvor ein externes Architekturbüro erstellt.

Die Arbeit scheint sehr vielfältig zu sein – womit befassen Sie sich denn noch?

S. Henning: Es gibt manchmal ungewöhnliche Projektideen, die aus den Einrichtungen an uns herangetragen werden. Wir sind dann die pragmatische Stimme, da wir uns um die Umsetzung kümmern. Hier ziehen wir mit den Mitarbeitern/innen der Einrichtungen an einem Strang. Beispielhaft sind die künstlerische Gestaltung eines Transformatorenhäuschens oder das Aufstellen einer Litfaßsäule zu nennen.

B. Lendt: ... oder wir sind Motor, das bedeutet, dass wir bauliche sowie technische Prozesse initiieren, begleiten und vorantreiben.



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Michael von Jan, ehrenamtlicher Besuchsdienst

Tolle Rolle

 Michael von Jan war früher selbst Tänzer an einem Theater – heute ist er wieder Kultur-Arbeiter. Er spürt die Talente von Menschen mit Demenz auf.

 „Können Menschen mit Demenz noch aktiv Kulturangebote mitgestalten? Gar Theater spielen?

Ja. Unser Theaterstück „Ein Schiff wird kommen“, das insgesamt sogar sechs Mal aufgeführt wurde, hat es bewiesen. Gemeinsam mit dem Theater der Erfahrungen haben wir so viele verborgene Talente geweckt, unsere Schauspielerinnen und Schauspieler sprudelten vor Ideen. Ihre Demenz schien phasenweise wie vergessen. Bei dieser Tätigkeit läuft wirklich alles zusammen, was ich beherrsche – das Organisieren, Kommunizieren und Motivieren. Genauso das Einfühlen in eine Gruppe und das Herantasten an schlummernde Fähigkeiten. Damit können Menschen mit Demenz einen wahrhaft überraschen. Mit einem Mal kommen alte Liedverse zu Tage, ganze Gedichte oder kleine Kunststücke.

Arbeitsschwerpunkt: Kreativität

Seit mehr als zwanzig Jahren bin ich in der Altenpflege tätig, und meine Arbeitsschwerpunkte waren in den letzten Jahren immer Musik, Tanz und andere kreative Beschäftigungsangebote. Wo ich war, sorgte ich für das  kulturelle Leben. Das rührt wohl daher, dass ich selbst aus der freien Theaterszene stamme. Bis ich 35 Jahre alt war, war ich Tänzer – zuerst in Projekten, dann am Theater. Erst danach entschied ich mich, in die Seniorenarbeit zu gehen.

Talent zur Improvisation

Seit knapp fünf Jahren bin ich nun im Nachbarschaftsheim und koordiniere den Besuchsdienst. Zusätzlich zu den vielen Besuchen haben wir mit Ehrenamtlichen zwei regelmäßige Gruppen für Menschen mit Demenz eingerichtet, zum Frühstücken, Singen, Erzählen oder Bingo-Spielen. Außerdem gibt es alle vierzehn Tage ein Tanzcafé.

Ich sehe mich in der Rolle, alle ganz sachte anzutreiben. Die meisten Gäste blühen total auf. Aber wenn jemand an einem Tag nicht so recht mitmachen will, müssen wir das schnell erkennen und akzeptieren. In gewisser Weise braucht es ein Talent zur Improvisation. Gut möglich, dass ich davon aus meiner Tanztheaterzeit viel mitbringe. An Überraschungen mangelt es nie. Zum Beispiel dieser Art: Beim „Vergissmeinnicht“-Theater gab es lange Pausen zwischen den Vorstellungen, einigen Spielerinnen und Spieler fehlte die Erinnerung daran. Doch dann, als sie in der gewohnten Kulisse ihres Theaterstücks standen, im Rahmen ihrer Mitspieler, konnten sie ganz schnell wieder etwas damit anfangen. Und sie strahlten. Wir natürlich auch.“

Zum ehrenamtlichen Besuchsdienst

 

 

 

Nina Vormelchert, Erzieherin im Jugend- und Familienzentrum JeverNeun

Nina Vormelchert ist Erzieherin in der JeverNeun, betreut die Grundschulkinder, koordiniert den Bereich Hausaufgaben und Lernförderung und ist verantwortlich für den offenen Kinder- und Jugendbereich. Sie wurde von unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterin Cornelia Wargowsky interviewt.

Nina, du bist vom Jugendamt eingestellt, arbeitest aber für das Nachbarschaftsheim Schöneberg. Was hat es damit auf sich?

Ich bin 2006 aus der Elternzeit gekommen und habe eine Teilzeitstelle gesucht. Vorher war ich in Vollzeit beschäftigt,  wollte nun aber mit einem kleinen Kind nicht mehr so spät abends arbeiten. Mein Arbeitgeber hat mir signalisiert, dass keine Stelle frei sei. Da ich ursprünglich aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit komme, die klassisch bis 22.00 Uhr besetzt ist, habe  ich mich dann selbst auf die Beine gemacht und von einer Kollegin erfahren: „Nina komm in die JeverNeun, das ist toll!“ Nach mehreren Gesprächen mit der Leitung und meinem Arbeitgeber sind wir zu folgender Lösung gekommen: Ich habe beim Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf eine volle Stelle und gebe eine halbe Stelle befristet ab. Das bedeutet, ich arbeite z. Zt. 19,5 Std. wöchentlich und wenn die Kinder groß, kann ich, wenn ich möchte, wieder mehr arbeiten.

Worin besteht deine Aufgabe?

Ich bin in der offenen Kinder- und Jugendarbeit tätig und koordiniere die Hausaufgabenbetreuung und die Lernförderung. Das Aufgabenfeld ist sehr viel größer geworden. Meine Aufgaben richten sich auch nach den Bedürfnissen der Besucher/innen der JeverNeun. Das NBHS habe ich Stück für Stück mehr kennengelernt; ich war beim Mitarbeitereinführungskurs, habe Jugendeinrichtungen besucht und nehme auch an der Kinder- und Jugendrunde teil, die einmal im Monat stattfindet. Ich bin vernetzt und verbandelt mit den Leuten.

 Was schätzt du besonders an deiner Arbeit?

Die Vielfalt! Die verschiedenen Möglichkeiten, die die offene Kinder- und Jugendarbeit bietet. Außerdem schätze ich die Mitarbeiter/innen und Besucher/innen in der JeverNeun. Es sind eben nicht nur Kinder und Jugendliche hier, sondern auch Familien, Selbsthilfetreffs, die Raumvermietung. Das waren ganz neue Aspekte für mich. Aber auch diese Akzeptanz und Toleranz untereinander.

Was würdest du dir wünschen, wenn du etwas ändern könntest?

Ich wünsche mir mehr Gelassenheit in meiner Arbeit. Weniger Tempo. Ansonsten fällt mir so spontan nicht viel ein. Also, es ist mein Glück hier arbeiten zu dürfen!

Was machst du am liebsten, wenn du nicht arbeitest?

Mit meiner Familie zusammen sein, im Garten. Meine Söhne sind zehn und fünf Jahre alt. Wir haben seit einiger Zeit einen Garten in einer klassischen Laubenkolonie. Und ich mache total gerne Sport!

Jugend- und Familienzentrum JeverNeun

 

 

Antje Retzlaff, Köchin und Hauswirtschafterin in der Kita Karl-Schrader-Str.

Eine für alles

Der Kartoffelbrei der Köchin Antje ist lecker. Aber manchmal, da schmeckt er den Kindern doppelt gut: Wenn sie nämlich am Tag zuvor die Knollen selbst geschält haben. Das tun einige Mädchen und Jungen in der Kita Karl-Schrader-Straße häufiger. Sie helfen Antje Retzlaff in der Küche. Wie magisch zieht der Ort sie an. Kein Wunder: Die Küche liegt einfach immer auf dem Weg, egal, in welcher Richtung man sich durch die Kita bewegt. Sie ist in einem Schöneberger Altbau untergebracht, wie in einer großen Wohnung ist die Küche der Dreh- und Angelpunkt. Außerdem ist die Köchin immer gut gelaunt. Es duftet, wenn sie kocht, und nachmittags gibt es von ihr Obst, Brote und oft noch selbst gemachten Kuchen.

Jeder findet bei ihr Hilfe

Genauso findet jeder bei ihr Hilfe, wenn etwas fehlt. „Ich bin Köchin und Wirtschaftskraft“, sagt Antje Retzlaff – eine für alles, das sei selten. "Manchmal bin ich Hausmeisterin. Ich weiß, wo alles steckt", sagt sie. Doch für sie, fügt sie hinzu, sei das auch selten gut. „Es entspricht mir.“

Als im Gebäude in den Achtziger Jahren erstmals eine Kita einrichtet wurde, arbeitete sie schon in der Küche. Nach längerer Pause kam sie zurück, das war vor bald zehn Jahren, als das Nachbarschaftsheim die Trägerschaft übernahm. Seither kocht sie jeden Tag, nur mit frischen Zutaten, vieles kauft sie selbst ein. Eine Hilfskraft hat sie jeden Vormittag, jeweils für ein paar Stunden. Zudem wäscht sie Wäsche, bügelt. Bei ihr gibt es auch Trost und Zuspruch, oder es gibt etwas zu lernen, wenn sie den Kindern das Kartoffel- und Möhrenschälen zeigt.

Gemeinsam Kochen und Essen

„Der Umgang ist herzlich“, lobt die Köchin, die alles beobachtet und bei allem, was im Haus geschieht, beteiligt ist. Sie hilft den Erzieherinnen, und diese helfen ihr. Selbst die Eltern kommen an der Küche kaum vorbei, alle kennen Antje. Das Interesse an dem, was auf den Tisch kommt, ist groß, und regelmäßig gibt es ein gemeinsames Kochen und Essen mit allen Familien. „Einen Tag lang geht es um eine Nationalität“, erzählt Antje. „Dann lerne ich viel Neues.“ Etwa afrikanische Rezepte, italienische, polnische. Außerdem tauscht sich die Hauswirtschafterin mit Köchen der anderen Kitas im Nachbarschaftsheim aus. Die „Küchenleitertreffen“ sind eine feste Größe, Antje Retzlaff schätzt das sehr.

Zur Kita Karl-Schrader-Straße

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Das Bau -und Serviceteam des Nachbarschaftsheims

Ein starkes Dutzend

Diesen „Nachbarn“ erkennt man jetzt kaum wieder, so herausgeputzt ist er. Nach längerer Zeit ist die Ladenwohnung in der Schöneberger Cranachstraße nämlich einmal von Grund auf saniert worden. Nun gibt es eine moderne Einrichtung, ganz einladend. „Der Nachbar“ steht an der Tür, so heißt der Laden wirklich – er ist ab sofort ein Stadtteiltreff, gerade für ältere Menschen. Vorn, nahe dem Schaufenster, ist ein großer, freundlicher Gruppenraum, daneben liegen eine neue Küchenzeile und ein modernes Bad. Das ist barrierefrei und rollstuhlgerecht. Das Badezimmer dafür wurde eigens vergrößert, es wurde kein Aufwand gescheut. Viele Wochen lang war das Bauteam des Nachbarschaftsheims am Werk.

So viel wie möglich selber machen

Selbst Großeinsätze solcher Art sind für die Haushandwerker keine Ausnahme. Mehrmals haben sie in Einrichtungen des Nachbarschaftsheims aufwändige Umbauten bewerkstelligt, sie haben ganze Etagen neu gestaltet. Oder sie haben dort, wo es nur eine einfache und veraltete Ausstattung gab, großzügige neue Sanitärbereiche geschaffen. Das war oft in Kitas, in Ganztagsbetreuungen an Schulen oder Jugendfreizeitzentren der Fall. In den vergangenen Jahren hat das Nachbarschaftsheim viele Gebäude aus öffentlicher Trägerschaft übernommen, und frei Haus gab es dazu sozusagen einen großen Sanierungsstau. Vieles war zu tun. Nicht zuletzt daher reihte sich für die Haushandwerker ein Umbau an den nächsten. Eine alte Philosophie blieb im Nachbarschaftsheim aber trotz Wachstums im Gebäudebestand erhalten: Es soll ein eigenes Bauteam geben. Dreizehn Handwerker gehören im Moment insgesamt der Haustechnik an, es gilt, so viele Arbeiten wie möglich selbst zu machen. Die Handwerker sanieren also, sie bauen um und bauen aus. Und daneben setzen sie dort, wo es nötig ist, Kaputtgegangenes instand. Ein Erste-Hilfe-Team sind sie genauso. Ganz wichtig sei dabei, dass sich die Mitarbeiter/innen der Einrichtungen und die Handwerker mittlerweile gut kennen würden, sagt Mehmet Akay, Leiter der Haustechnik. „Es gibt ein Vertrauensverhältnis. Das hilft uns bei der Arbeit und hilft denen, die uns rufen, genauso.“

Eine flexible Truppe

Mehmet Akay selbst ist Maurer und Fliesenleger. Seine Mitarbeiter stammen aus vielen unterschiedlichen Gewerken, dadurch sind sie eine sehr flexible Truppe. Zwei Sanitärfachleute gibt es, ebenso je zwei Tischler, Maler, Elektriker sowie Schlosser und Gärtner. In der Regel arbeiten sechs Handwerker als Bauteam und weitere sechs als Serviceteam. Das bedeutet: Die Kollegen im Bauteam übernehmen die größeren Projekte, und die im Serviceteam sind die schnellen Helfer. Sie schwirren morgens um sieben Uhr dreißig von der Zentrale in der Holsteinischen Straße aus, je nachdem, wohin sie gerufen wurden. Es gibt ein Online-Meldesystem, über das die Mitarbeiter/innen aller Einrichtungen einen  Schaden melden können, den ein Handwerker beheben muss. Oder sie können dort Bedarf anmelden, wenn ein Fachmann bei ihnen im Haus etwas umgestalten sollte, wenn zum Beispiel eine neue Geschirrspülmaschine notwendig ist oder wenn eine neue Garderobe gebaut werden muss, ein neues Kinder-Spielgerät im Garten oder ähnliches. Bei dem Haustechnik-Leiter Mehmet Akay laufen alle Meldungen und Anfragen im Computer ein, an die 200 sind es monatlich. Es gibt schließlich auch an die 60 Gebäude im Bestand des Nachbarschaftsheims. „Wir können bei den dringenden Anfragen sehr schnell sein, es gibt kaum Bürokratie“, sagt Mehmet Akay. Dabei kommt wieder einmal allen Beteiligten zugute, dass man sich untereinander kennt – auch bei der Beurteilung von Schadensfällen hilft das ungemein. Niemand drängele, wenn es nicht wirklich einen triftigen Grund zur Eile gäbe.

Raum für kreative Lösungen

Für sehr spezielle Fertigkeiten stehen die Haushandwerker allerdings genauso: So haben sie oft bei ihren Projekten ihre Handschrift hinterlassen, sei es mit kreativ gestrichenen Zimmerwänden und Bordüren, mit besonders getischlerten Holzeinbauten oder zum Beispiel mit phantasievoll gestalteten Patchwork-Mauern in einigen Gärten. Ideen für solche besonderen Gestaltungen ergeben sich stets in den frühzeitigen Baubesprechungen, wo Details und Abläufe mit der zuständigen Gebäudemanagement-Abteilung des Nachbarschaftsheims und mit den Nutzern der jeweiligen Einrichtung erörtert werden. Raum für kreative Lösungen bietet sich allemal. Und dass sie genau diese verwirklichen können, heben die Handwerker als besonders positiv hervor.     

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Babette Kalthoff, Leiterin der Kita Riemenschneiderweg

Reflex zum Aufbruch

5000 Kilometer trennen Berlin und Kankan in Guinea. Und doch fühlen sich hier, mitten in Europa, gerade einige Kitaerzieherinnen ihren Kolleginnen südlich der Sahara sehr verbunden. Der Grund: Ein neuer Kindergarten nimmt in Kankan seine Arbeit auf. Der in Berlin ansässige Verein „Mama Afrika“ hat das initiiert. Da ließ sich Babette Kalthoff, Leiterin der Kita Riemenschneiderweg, nicht lange bitten. Sie, ihr Team und die Kinder helfen, flugs haben sie eine Kunstauktion organisiert. Sie versteigerten Bilder, die sie gemalt haben, zugunsten der Kita in Guinea.

Eine Herzensangelegenheit

Wenn es um Aufbruch und Aufbau geht, rührt sich etwas am Riemenschneiderweg. Es ist ein Reflex. „Unsere eigene Geschichte ist so nah“, sagt Babette Kalthoff. Vor 17 Jahren hat sie selbst eine Kita ins Laufen gebraucht, Neuland beackert. Daher lag ihr das Projekt in Kankan sofort am Herzen, es wird eine langfristige Patenschaft. Und noch etwas: Babette Kalthoff ist selbst in Afrika geboren, bis sie fünf war, lebte sie mit ihrer Familie dort. Zufall ist das alles nicht.

1997 übernahm das Nachbarschaftsheim die Kita Riemenschneiderweg vom Bezirk, es war ein Neubau. Fortan plante Babette Kalthoff letzte Details mit Architekten, entwickelte Kitakonzepte, erprobte sie mit ihren Mitarbeiterinnen. Manches verwarfen sie.

Die Suche nach Neuem ist allgegenwärtig

„Wenn jemand eine gute Idee hatte, haben wir  sie möglichst aufgenommen“, sagt die Kitaleiterin. Ein starres Korsett gab es nicht. Babette Kalthoff lobt die Autonomie, die sie hatte. Der Aufbruchsgeist übertrug sich auf die Elternschaft, viele packten mit an, und viele tragen, das ist erwünscht, immer auch Etwas aus ihren unterschiedlichen Kulturen ins Haus. Genauso gibt es Besuche bei älteren Menschen, die Mitarbeit von Ehrenamtlichen, den Austausch mit Schulen.

„Alle brennen für das, was sie tun“,

sagt Babette Kalthoff. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie sie, sollte es einmal haken, wieder jeden mit ihrem Eifer ansteckt. Im Nachbarschaftsheim arbeitet sie seit 25 Jahren. Ursprünglich war sie Krankenschwester, dann wurde sie Erzieherin, auch Heilpraktikerin. 1988 kam sie in die Kita Fregestraße. Diese leitete sie vorübergehend, bevor sie in die neue Kita wechselte.

Zur Kita Riemenschneiderweg

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Ulrike Mölgen, Erzieherin und Sozialpädagogin in der Fläming-Grundschule

Gelebtes Vorbild

Die Erzieherin und Sozialpädagogin Ulrike Mölgen arbeitet im Ganztagsbereich der Fläming-Grundschule, zuständig ist sie für eine zweite Klasse. In ihrer Gruppe verbringen die Kinder viel Zeit, sie machen Hausaufgaben, spielen. Und alle nähmen dabei sehr besondere Erfahrungen mit – sie selbst genauso, wie Ulrike hier erläutert.

"Du musst es beweisen! Du kannst es genauso"

Das sind Maßstäbe, die wohl für jeden, der auffällig aussieht, gelten. Ob ich es nun will oder nicht: Auch mich treibt dieser Druck immer wieder an. Der lässt sich nur schwer abschalten. Aber hier geht es auch anders: In diesem Arbeitsalltag ist meine Kleinwüchsigkeit nichts, was so besonders ist. Ich habe etwas erreicht, worauf ich sehr stolz bin. Ich denke nicht ständig daran, dass ich mich beweisen muss, sondern ich tue einfach meine Arbeit, die mir großen Spaß bringt und die von allen anderen offenbar auch sehr geschätzt. Natürlich spreche ich mit den Kindern über mein Anderssein – es sind schließlich Jungen und Mädchen im Alter von sechs oder sieben Jahren. Für die ist Körperlichkeit gerade ein großes Thema, die sind neugierig, die feixen mal, oder sie machen Bemerkungen über alles, was sie komisch finden. Aber genauso gehören bei uns solche Besonderheiten zum Alltag, sie sind einfach da. Fertig.

Besonderheiten gehören zum Alltag

In der Grundschule und im Ganztagsbereich gibt es Kinder mit und ohne Behinderungen. Alle Schüler/innen kennen sich damit aus. Auch in unserem Erzieherteam haben einige Mitarbeiter Handicaps. Ich zeige den Kindern, dass man als körperlich auffälliger Erwachsener seinen Job macht wie jeder andere. Ganz selbstbewusst. So ist die Grundstimmung an dieser Schule und im Ganztagsbereich, bis in die Elternschaft zieht sich das. Zuerst habe ich vor vier Jahren ehrenamtlich mitgearbeitet und Kinder bei den Hausaufgaben unterstützt. Da spürte ich das Klima sofort. Kurz danach bekam ich die feste Stelle, jetzt leite ich mit einem Kollegen eine Gruppe von Zweitklässlern. Außerdem biete ich Kreatives Werken an und spiele mit interessierten Kindern Theater.“

Zur Ganztagsbetreuung an der Fläming Grundschule

Thomas, Hauspflege

Viel Vertrauen

„Es ist schon merkwürdig: Viele Menschen haben die Vorstellung, dass Pflegerinnen und Pfleger immer nur gehetzt sind. Ich kenne das so nicht. Unsere Dienstpläne sind anders. Wenn es nötig ist, kann ich mir mehr Zeit als vorgesehen bei einem Patienten nehmen.

Die persönliche Zuwendung ist mir sehr wichtig

In unseren Teams sehen das alle so, auch die Pflegedienstleitung. Mir hat der Arbeitgeber vor kurzem sogar erlaubt, eine schwer behinderte Patientin an einen Ferienort in Schleswig-Holstein zu begleiten. Sie wollte einmal in den Urlaub, so wie früher. Für mich galt das als Dienst, das war wirklich nicht selbstverständlich. Für diese Frau war es extrem wichtig: Zu mir hat sie das Vertrauen, nur so konnte sie überhaupt fahren. Dass das klappte, hat mich wieder davon überzeugt, dass ich das Richtige an der richtigen Stelle tue.“   

Zur Sozialstation Bundesallee

 

 

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Christina Sarnes, Verwaltungsangestellte im Cura-Betreuungsverein

„Es geht um Schicksale“

Lässt sich ein Mensch von fremder Hand verwalten? Mit Formularen, tabellenhafter Ordnung und Checklisten? Ja, wenn es wirklich notwendig ist, geht das. Dann finden sich die Akten eines Menschen zum Beispiel in einem der vielen Registerschränke im Büro von Christina Sarnes. In einer hellen, großzügigen Altbauetage arbeitet sie, das ist der Sitz des Cura-Betreuungsvereins in Schöneberg. Es gibt zig Aktenschränke, mit den Papieren von 250 hilfsbedürftigen Menschen.

Den Überblick behalten

Die Kollegen von Christina Sarnes sind Vereinsbetreuer, sie übernehmen alle behördlichen und wirtschaftlichen Belange für Menschen, die das selbst nicht bewältigen können. Und die Verwaltungsexpertin Sarnes ist diejenige, die den Überblick behält, alles organisiert. Sie muss Fristen im Auge haben und Berichte  an das Betreuungsgericht verschicken. „Es geht dabei um Schicksale“, sagt Christina Sarnes, „und um eine sehr konkrete Hilfe.“ Sie schätzt, dass ihre Betreuer auch einen persönlichen Umgang mit ihren Betreuten pflegen. Außerdem ist die akkurate Buchführung eine echte Teamarbeit. Die Wertschätzung, die Christina Sarnes für ihre Tätigkeit erfährt, sei sehr groß, sagt sie. Im Cura-Büro hat auch Christina Sarnes täglich vor Augen, wie wichtig ihre Arbeit ist. Oft kommen Betreute persönlich vorbei.

Dafür braucht man viel Lebenserfahrung

„Manche danken uns sehr, wenn sie hier sind“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin. Das könne überschwänglich und herzlich sein, doch jäh kehre sich das manchmal auch ins Gegenteil. „Dafür braucht man Lebenserfahrung, so wirft es einen nicht aus der Bahn“ sagt Christina Sarnes. Viele Betroffene haben psychische Beeinträchtigungen, ihre Zahl sei spürbar angestiegen, seit sie für Cura arbeitet. Das tut sie seit 1997. Zuvor war sie in der Berliner Justizverwaltung tätig gewesen, später in der Innenverwaltung, bis sie eine berufliche Pause zur Erziehung ihrer Kinder einlegte. Im Anschluss hätte sie auch in den öffentlichen Dienst zurückkehren können. Allerdings gab es dort keine verantwortungs- und sinnvolle Aufgabe für sie. So wählte sie den Job im Betreuungsverein, in dem Initiative und Tatkraft nötig war, denn das Betreuungswesen, wie es heute geregelt ist, stand gerade am Anfang. Dass diese Arbeit einen hohen gesellschaftlichen Wert hat, daran zweifelte sie keine Sekunde lang.

Zum Cura-Betreuungsverein

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Catherine Désenfant-Bogner, Erzieherin in Teilzeit in der Kita am Kleistpark und freischaffende Künstlerin

Frau Désenfant, Sie bieten ein Offenes Atelier im Kitabetrieb an. Die Kinder können kommen, wann sie wollen. Wie geht das?

Jeden Vormittag sind andere da, das stimmt. Die Kinder malen, was sie wollen, und wie sie wollen. In regelmäßigen Abständen gibt es auch ein gemeinsames Projekt. Es kann ein großes Wandbild sein oder ein Selbstportrait. Doch Perfektionismus ist nicht unser Ziel.

Aber Sie selbst haben ein Ziel dabei...

Mir geht es darum, die Kinder zu ermuntern. Und nie darum, die Bilder zu bewerten. Ich begleite sie nur. Sie sind zwei bis sechs Jahre alt. Das Malen befördert Ausdruckskraft und Sinneswahrnehmung.

Ein paar Regeln gibt es dennoch?

Jedes Kind hat einen Lappen zur Hand, gleich neben den Farben, um den Pinsel abzutupfen. So bleiben die Farben klar und leuchtend. Die Älteren bekommen auch eine Palette und zwei statt nur einen Pinsel. Ansonsten sind sie völlig frei.

Beneiden Sie die Kinder, also als Künstlerin, so losgelöst ans Werk zu gehen?

Ich lerne vieles, sagen wir es so. Ihre Kunst inspiriert mich, sie ist direkt aus dem Pinsel geschaffen. Die Kinder malen sich die Seele aus dem Leib.

Sprechen Sie mit den Kindern auch über Bilder?

Täglich machen wir aus dem Atelier ein Restaurant, acht Kinder essen dann hier zu Mittag. Wir decken eine Tafel, es gibt ein Gästebuch. Wir schauen uns die Bilder an, die dort hängen und reden darüber. Meine Grundregel ist, dass niemand die Werke des anderen schlecht macht.

Arbeiten Sie schon lange so?

In Paris, wo ich aufgewachsen bin, wollte ich bereits Künstlerin werden. Aber erst sollte ich Sprachen studieren. Gemalt habe ich zu jeder Zeit. Vor 30 Jahren kam ich nach Deutschland, hier begann ich mit Kindern und Jugendlichen künstlerisch zu arbeiten. Seit fünf Jahren bin ich in der Kita am Kleistpark, 25 Stunden die Woche. Danach mache ich weiter im eigenen Atelier, das liegt nahebei, oben in einem sechsten Stockwerk.

Nehmen Sie Motive aus der Kita-Arbeit in Ihre Kunst auf?

Die positive Energie nehme ich immer mit. Die Kinder werden im Offenen Atelier selbstbewusst, weil ihre Arbeit ernst genommen wird. Das treibt mich an. In meinen Bildern wende ich oft eine Collagentechnik an. Wenn ich Porträts male, dann schwimmt  etwas mit hinein, was typisch Berlin ist, eine Straßenszene etwa. Die Kinder haben auch einmal mit mir ein Wandbild gemalt, es stellte eine Berliner Straße dar – ein paar Parallelen gibt es schon...

zur Kita am Kleistpark

 

 

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Rebecca Klasing, Hauswirtschafterin der Kita Vorbergstraße

Rebecca Klasing arbeitet in der Hauswirtschaft der Kita Vorbergstraße

Die zweite Etage ist das Reich von Rebecca Klasing, sie kennt sie in- und auswendig. Hier hat die junge Frau jedes Kinderbesteck in der Küche durchgezählt, genauso das bunte Plastikgeschirr, die Brotdosen und Becher. Vier Geschirrwagen gibt es, je einen für jede Gruppe der Krippenkinder. Hier oben im zweiten Stock, wo Rebecca arbeitet, sind nämlich die Räume für die ganz kleinen Kinder der Kita Vorbergstraße. 38 Kinder – 4 Gruppen – 9.10 Uhr Geschirrspülen – 11.20 Uhr Mittagessen holen – und so fort: Alle diese Zahlen und Zeiten sind besonders wichtig für Rebecca, sie betet sie herunter, das hilft ihr. Lange hat sie alles mit einer Kollegin aus der Kitaküche eingeübt. Nun ist Rebeccas Ausbildung als Hauswirtschaftskraft abgeschlossen. Sie ist ab sofort fest angestellt und sehr stolz darauf.

Ein penibler Rhythmus ist wichtig

Viele ihrer Aufgaben erledigt sie zügig, das war nicht von Anfang an so, wie sie selbst zugibt. Doch nun hat sie ihren sehr peniblen Rhythmus, jeden Tag von 8 bis 14 Uhr. „Am liebsten mag ich das Mangeln der Wäsche“, sagt die Einundzwanzigjährige. Die Waschküche liegt gleich neben der Etagenküche. Dort, an den großen Maschinen, trifft sie häufig die junge Kollegin, die in den anderen Etagen, bei den älteren Kindern, ähnliche Arbeiten macht wie sie.

Dass Rebecca in ihrer Etage allein zuständig ist, passt ihr sehr gut. Sie mag die kleinen Gruppen, die Kinder und die Erzieherinnen. Alles ist überschaubar, sie ist mittendrin. Und alle mögen die freundliche Rebecca, die immer geschäftig ist, stets gut zu erkennen am weißen Hemd und der weißen Hose.

Sie möchte mit Menschen zusammenarbeiten

Früher, in einem Praktikum, hat sie einmal in einer Bibliothek gearbeitet, sie musste Bücher sortieren, erzählt Rebecca. Es beanspruchte sie offenbar zu wenig, sagt die Köchin Belinda Genz, die Rebecca in der Ausbildung hauptsächlich betreut hat. „Sie muss mit anderen Menschen zusammen arbeiten, das ist ganz eindeutig“, sagt Belinda Genz. Kinder, Eltern und alle Kolleginnen im Haus gehen ganz selbstverständlich mit ihrer Kollegin mit dem Down Syndrom um. Und das jetzt auch wirklich an fünf Tagen pro Woche, denn Rebeccas bisherigen Berufsschultag fällt fortan ja weg. Die Ausbildung Rebeccas war eine Kooperation mit dem Netzwerk „BIS“ für betriebliche Integration und Sozialforschung. Deren Ziel ist, möglichst viele Menschen mit Behinderung in reguläre Arbeitsverhältnisse zu vermitteln.

zur Kita Vorbergstraße

 

 

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Karsten Hille, Schulsozialarbeiter an der Montessori- Gemeinschaftsschule

Herr Hille, Sie arbeiten als Schulsozialarbeiter an der Montessori-Gemeinschaftsschule. Wie lange üben Sie diese Tätigkeit schon aus?

Im NBHS arbeite ich seit 11 Jahren und hier an der Schule seit über sieben Jahren.

Was war Ihre Motivation, diesen Beruf zu ergreifen?

Ich bin über einen Umweg zur Sozialarbeit gekommen. Nach einer handwerklichen Ausbildung als Maschinen -und Anlagemonteur habe ich während meines Zivildienstes Kontakte zu Kindern mit Behinderungen und zu Senioren bekommen. Die Arbeit an einem Jugendprojekt war der Einstieg, mich mehr mit der sozialen Arbeit auseinanderzusetzen und in dem Bereich zu studieren.

Worin besteht der Unterschied zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik?

Die Sozialarbeit ist ja das klassische unterstützende Begleiten in gewissen Prozessen und die Sozialpädagogik ist für mich, hier an der Schule, das Unterstützen von Lernprozessen. Ich arbeite mit im Unterricht, wenn es darum geht, soziales Lernen und gute Umgangsformen miteinander zu entwickeln, Konflikte zu lösen und Partizipation zu erleben.

Was macht einen guten Schulsozialarbeiter aus?

Ein Schulsozialarbeiter muss mit sehr viel Gespür für die Situation, mit einer sehr hohen Fachkompetenz sowie mit einer Überzeugungskraft, dass das eigene sozialpädagogische Handeln wirksam ist, an seine Arbeit gehen.

Wie unterstützen Sie die Schüler, die mit Problemen zu Ihnen kommen?

Wir haben an unserer Schule mehrere Möglichkeiten für Schüler, wenn sie große Sorgen haben und diese loswerden möchten. Wir versuchen zum einen die Schüler selber zu befähigen, sich gegenseitig zuzuhören und erste Unterstützung anzubieten. Dann sind da die Klassenlehrer. Sie sehen ihre Schüler täglich und bekommen als erster mit, wenn es jemandem nicht gut geht. Wenn das alles nicht hilft, bin ich natürlich auch Ansprechpartner. Die Jugendlichen haben mich im Laufe der Jahre als Ansprechpartner für viele, viele Fragen und Wünsche wahrgenommen. Es ist die Vielschichtigkeit, die sich daraus entwickelt.

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht arbeiten?

Am liebsten verbringe ich Zeit mit meiner Familie. Ich angle und reise gerne, handwerklich arbeiten und basteln macht mir Spaß und wenn etwas repariert werden muss, versuche ich nach Möglichkeit alles selber zu machen.

Vielen Dank für das offene Gespräch!

Das Interview führte Cornelia Wargowsky, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Nachbarschaftsheim.

Zur Schulsozialarbeit

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Sabine Thiemann, Teamleiterin in der WG Albrechtstraße

Eine gemeinsame Idee

„Bald 25 Jahre arbeite ich als Pflegerin im Nachbarschaftsheim, an verschiedenen Stellen. Doch egal wo, eines steht immer im Vordergrund: Es geht nicht nur darum, dass Pflegeeinsätze reibungslos bewältigt werden, sondern dass wir menschliche Nähe bieten.

Jetzt bin ich Pflegefachkraft in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz. Wir Pfleger/innen versuchen, die Defizite, die die Bewohner durch ihre Erkrankung haben, auszugleichen. Das ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, ohne ein gut funktionierendes Team könnte man sie nicht bewältigen. Mich macht meine Arbeit sehr zufrieden. Weil wir immer in der Nähe sind, hören wir heraus, was sich die Bewohner/innen wünschen. Außerdem profitieren wir von der Vielfalt im Nachbarschaftsheim. Wir organisieren für einige Bewohner, dass sie zum Tanzcafé im Nachbarschaftshaus abgeholt werden, andere zum Frühstück für demenziell erkrankte Menschen. Ehrenamtliche Besucher/innen kommen zu uns ins Haus. Und wenn sie da sind, haben alle aus der WG etwas davon, weil man sich bei uns ja immer in der Küche versammelt.

Das finde ich typisch. Hinter allem steht eine Idee, und immer noch eine Handvoll Leute, die ähnlich denken.“

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Hendrik Jansen, Azubi

Hendrik, du bist 23 Jahre alt und machst eine Ausbildung im NBHS. Was genau ist das für eine Ausbildung und wie lange dauert sie?

Ich mache eine verzahnte Ausbildung zur EDV-Bürokraft in verschiedenen Bereichen des NBHS. Diese dauert drei Jahre. Ich habe erst im 2. Ausbildungsjahr damit angefangen, davor war ich im Berufsbildungswerk Britz. Dort habe ich einen zuständigen Ausbilder, der sich um mich kümmert. Er kommt ab und zu vorbei, um zu sehen, wie es mir geht.

Du hast eine körperliche Behinderung und sitzt im Rollstuhl, kannst dich aber auch mit einem Rollator fortbewegen. Welche Art der Behinderung hast du?

Ich bin wegen eines ärztlichen Behandlungsfehlers behindert. Dadurch habe ich eine körperliche Behinderung und eine leichte Lernbehinderung, die sich aber kaum bemerkbar macht, außer durch leichte Konzentrationsschwierigkeiten.

Wie kommst du im Alltag damit zurecht – hast du Unterstützung?

Recht gut! Es gibt schon mal Situationen, wo man sich ärgert, aber die werden immer weniger. Ich habe im Alltag einen Assistenten, der mir hilft. Ich lebe noch im Elternhaus, wo ich auch viel Unterstützung erhalte.

Wie erlebst du den Arbeitsalltag mit den Kollegen des NBHS?

Sehr gut und ab und zu auch mal sehr lustig! Sie nehmen mich als vollwertigen Kollegen wahr. Ich fühle mich pudelwohl und bin integriert und werde nicht nur auf meine Behinderung reduziert. Das NBHS ist in Sachen Inklusion vorbildlich. Ich werde das NBHS mit einem weinenden Auge verlassen. Im Sommer nächsten Jahres ist es leider so weit.

Wie beurteilst du die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung?

Es ist sehr, sehr schwierig und zudem muss man wesentlich mehr Engagement und Energie aufbringen, als ein Nichtbehinderter. Es reicht nicht nur Bewerbungen zu schreiben. Potenzielle Arbeitgeber müssen davon überzeugt werden, dass der Mensch mit Behinderung ein Gewinn für sein Unternehmen sein kann.

Wie könnte man Unternehmer motivieren, mehr Menschen mit Behinderung einzustellen?

Man müsste in die Betriebe gehen und die Unternehmer motivieren, nicht nur wegen der finanziellen Vorteile Menschen mit Behinderung einzustellen. Also, sie nicht nach den zweijährigen Subventionen wieder zu entlassen. Was mich persönlich betrifft, wäre es für einen Betrieb von Vorteil, am Empfang zu arbeiten, wo ich mit vielen Kunden zu tun habe. Ich habe gelernt, immer freundlich zu sein. Schon deshalb, weil ich auf andere Menschen angewiesen bin.

Was würdest du gerne verändern, wenn es um Rechte für Menschen mit Behinderung geht?

Azubis, die im Berufsbildungswerk arbeiten, sollten ungefähr die gleiche Ausbildungsvergütung erhalten wie Nichtbehinderte! Man müsste außerdem die Abläufe bei Antragsverfahren beschleunigen.

Hast du denn schon weitere Berufspläne geschmiedet?

Ich möchte gerne eine Tätigkeit ausüben wo ich auch mit Menschen zu tun habe. Umgang mit Menschen ist mir wichtig. Ich würde auch gern nebenberuflich in die Medienbranche gehen und als Komparse arbeiten oder kleine Filmrollen übernehmen.

Was machst du am liebsten, wenn du nicht im NBHS arbeitest?

Ich mache noch ehrenamtlich bei einer Fernsehsendung mit, die auf dem offenen Kanal Alex läuft. Da geht es um entwicklungspolitische Themen. Ansonsten habe ich mal getanzt, mit dem Rollstuhl halt. Aber leider habe ich keinen Verein gefunden, der dieses in meiner Nähe anbietet. Ich mache noch viel am PC. Dadurch, dass ich viel Physiotherapie in Anspruch nehme, ist meine Freizeit etwas eingeschränkt. Doch wenn ich Zeit habe, treffe ich mich auch gerne mit meinen Freunden.

Das Interview führte Cornelia Wargowsky, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Nachbarschaftsheim

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Daniela Bonas, Leiterin der Kita Stegerwaldstraße

Dass Daniela Bonas ein künstlerisches Talent hat, bemerkt man, wenn man ihr Büro betritt. Eine große Pinnwand füllt die Wand, auf die sie vom Arbeitsplatz aus blickt. Stationen ihres beruflichen und privaten Lebens sind dort markiert: Bilder, die Kita-Kinder zum Abschied gemalt oder gebastelt haben, Postkarten und ein Kalenderspruch:

 

Genießen, Durchatmen, Einfach mal Zurücklehnen

Wer mit Daniela Bonas spricht, merkt schnell, dass der Kalenderspruch nicht häufig zum Einsatz kommen muss. Begeisternd erzählt sie von den verschiedenen Stationen ihres beruflichen Lebens. Seit 1981 arbeitet sie im Erzieherdienst und immer war sie im Stadtteil Marienfelde, mit dem sie „verwurzelt“ ist, tätig.

Über die Kita Bruno-Möhring-Str. kam sie zur Kita Stegerwald. Damals war diese Kita, wie viele andere auch, beim Senat von Berlin angegliedert; Daniela Bonas hatte eine feste Stelle im öffentlichen Dienst, was „einem Sechser im Lotto“ glich. Diese Sicherheit gab sie kurz vor ihrem 25jährigen Dienstjubiläum nach reiflicher Überlegung auf denn seit 2002 wurden Kindertagesstätten in freie Trägerschaften übergeben und die Zukunft der Senatskitas schien ungewiss. Ein Wechsel in eine andere Kita oder an eine Schule mit einer Halbtagsstelle nur um beim öffentlichen Dienst zu bleiben, erschien ihr beruflich und privat nicht attraktiv.

Die Suche nach einem neuen Träger

„Unsere damalige Kitaleiterin gab uns  Erzieherinnen ein Mitbestimmungsrecht bei der Suche nach einem neuen Träger für unsere Kita“, berichtet Daniela Bonas. „Wir haben viele verschiedene kennengelernt und uns dann am Ende für das NBH entschieden. Ausschlaggebend waren die persönlichen Gespräche mit der Geschäftsführung, besonders mit Herrn Zinner und Frau Höhne. Wir waren von der Vielfalt und der Philosophie des Trägers begeistert und wurden bei allen auftretenden Problemen im Übergang unterstützt. 2005 war es dann soweit, die Verträge wurden unterzeichnet und mein beruflicher Werdegang wurde vorangetrieben. In meiner damaligen Leiterin fand ich eine Person, die mich förderte-heute würde man sagen: ich hatte eine Mentorin. 2007 wurde ich stellvertretende Leiterin und seit 2009 leite ich nun die Kita Stegerwaldstraße. In den vergangenen Jahren wurde eine Außen-und Innenrenovierung und Gartenumgestaltung durch den Träger umgesetzt. Zurzeit wird bei uns gebaut – wir bekommen einen Anbau und damit auch die Möglichkeit, noch 26 weitere Kinder unter drei Jahren aufzunehmen. Diese Baumaßnahmen mit begleiten zu dürfen, auch hier Mitspracherecht zu haben, ist für mich eine weitere schöne Herausforderung.“

Interview mit Daniela Bonas, geführt von Dagmar Linnemann-Gädke

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