Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

30 Jahre Pflege im Nachbarschaftsheim Schöneberg

Fest für die Mitarbeiter

Jutta Fox (mitte), mit 26 Dienstjahren die dienstälteste Pflegekraft im Nachbarschaftsheim, erhält von Karen Gebert ein Präsent als Dank für ihre engagierte Arbeit
Musik und Tanzlaune im Saal
Erinnerungsfotos während des Festes - Thomas Protz von der Stadtteilzeitung hatte Mühe, allen Fotowünschen nachzukommen
Fröliches Miteinander
Ob man Heuschnupfen weglachen kann? Einen Versuch war es wert. Und so sang der ganze Saal im Kanon: "Lachend, lachend, lachend, fliegen Pollen über das Land....."
Der Möhre kommt bei diesem Fest eine besondere Bedeutung zu
....und wird immer wieder durch ein abwechslungsreiches Programm geführt
Auf dem Fest kommt man ins Gespräch......
Die Bunten Zellen vom Theater der Erfahrungen spielen Ausschnitte aus ihrem Stück "Berliner Pflanzen"
Plauderstimmung im Garten
Verschiedene Heilkräuter in kleinen Blumentöpfen warteten am Ausgang darauf, von den Gästen mitgenommen zu werden. Wer wissen wollte, was ihm in den folgenden Tagen blüht, konnte auf der NBHS-Homepage nachlesen

Das Nachbarschaftsheim Schöneberg bedankte sich mit einem Fest bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Am Anfang, vor über 30 Jahren, wurde lange diskutiert, ob sich das Nachbarschaftsheim überhaupt im Pflegebereich engagieren sollte, berichtet Jürgen Kipp, Vorsitzender des Vorstandes, in seiner Festrede. Einig war man sich nur in dem Wunsch, dass alte und pflegebedürftige Menschen die nötige Hilfe nicht nur in Heimen, sondern auch in ihrer gewohnten Umgebung erhalten sollen. Aber muss diese pflegerische  Arbeit und die damit einhergehende Verantwortung ein Nachbarschaftsheim übernehmen? Wie wird so eine Sozialstation mit ihren zwangsweise professionellen Arbeitsabläufen, die heimelig anmutende Idee der nachbarschaftlichen, oft ehrenamtlichen Hilfe verändern? Hält ein Nachbarschaftsheim solche Veränderungen aus?

Mit Vorsicht und Bedacht

Mit einer Mischung aus Hoffnungen und Skepsis wurde schließlich 1983 die erste Sozialstation in der Friedenauer Cranachstraße eröffnet, befristet auf ein Jahr, so der Plan – man wollte genau beobachten, alles ganz genau auswerten und danach mit Bedacht weitere Entscheidungen treffen.

Doch was als offenes Experiment startete, war schon nach wenigen Monaten aus dem Nachbarschaftsheim Schöneberg nicht mehr wegzudenken: Der Bedarf nach Betreuung außerhalb von Heimen sowie der Wunsch nach einem Leben im vertrauten Umfeld auch im Pflegefall wuchs rasant und wächst bis heute. Ausgehend von der Sozialstation in der Cranachstraße wurden im Laufe der Jahre dann auch konsequent weitere bedarfsorientierter Angebote entwickelt, die von der Wiege bis zur Bahre eine dem Menschen zugewandte Pflege, Hilfe und Begleitung sicher stellen:

Eine zweite Sozialstation, die „Ambulante Familienpflege“, die „Tagespflege“, „Ambulant betreute Wohngemeinschaften“, der „Ambulante Hospizdienst“ und das „Hospiz Schöneberg Steglitz“, der „Ehrenamtliche Besuchsdienst“. Heute arbeiten rund 240 Pflegerinnen und Pfleger und über 180 Ehrenamtliche im Nachbarschaftsheim Schöneberg und seiner 2003 gegründeten „Pflegerische Dienste gGmbH“.

Die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger kennt kein Wochenende und keinen Feierabend. In Schichten wird im Nachbarschaftsheim Schöneberg rund um die Uhr gearbeitet, Tag für Tag, seit 30 Jahren – oft ist die Arbeit schwer, manchmal belastend, stets voller Verantwortung.

Mehr als genug Gründe für die Geschäftsführung, um sich am 7. Juni mit einem unbeschwerten „Geburtstagsfest“ bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu bedanken – über 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen, die einen vor, die anderen nach ihrem Dienst.

Von Blumen und Kräutern

Blumen schmückten den Saal im Nachbarschaftshaus Friedenau, von den Tischen bis zur Bühne. Live vorgetragene Blumen-Lieder waren zu hören und launig-blumig war auch die Moderation: Auf den Kaktus wurde hingewiesen und auf die Mimose, deren Eigenschaften dem Menschen so ähnlich sind, mal stichelnd, mal quengelnd. Trotzdem müssen beide gepflegt werden, um hin und wieder aufzublühen.

Jutta Fox, dienstälteste Pflegekraft im Nachbarschaftsheim, erzählte dazu eine wahre Geschichte aus der Zeit ohne Pflegetakt: Damals schob sie ihre gehbehinderte Patientin zunächst im Rollstuhl in die Laubenpieper-Gärten am Riemenschneiderweg. Dort angekommen, spazierte die ältere Dame auf ihren Krücken weiter. Jutta Fox aber setzte sich in den Rollstuhl und rollte neben ihr her – Pflege auf Augenhöhe, die auch die Seele der Patienten erreicht.

Passend zeigte die Theatergruppe „Bunte Zellen“ vom Theater der Erfahrung mehrere Szenen aus ihrem Stück „Berliner Pflanzen“, in dem ein anfangs auf kühle Distanz bedachter Kaktus, nach und nach seinen Mut zusammennimmt und seine aufkommende Liebe einem Schmetterling gesteht.

Auf die Kraft der Pflanzen vertrauten vor über 500 Jahren bereits die „alten Ritter“, berichtete auch die Kräuterexpertin Onni Thieme. Diese nutzten zum Beispiel die kräftigende Wirkung des Thymians, um sich auf ihren Schlachten vorzubereiten. Die „ganz alten Griechen“ schätzten mehr die heilenden Kraft der Melisse, die wir heute als Melissengeist zum Einreiben kennen. Der früher wie heute wohl besten Medizin, dem Lachen, wurde schließlich ein Kanon gewidmet, gemeinsam gesungen, zusammen mit allen Gästen des Pflegefestes.

Zwischendrin sorgte die Präsentation der blauen „Nachbarschaftsmöhre“ für amüsante Unruhe. Diese ungewöhnliche Karottenzüchtung aus Mauritius, zeichnet sich nicht nur durch einen hohen Gehalt an den Vitaminen, „N“, „B“, „H“ und „S“ aus, sondern auch durch ihre unbegrenzte Haltbarkeit. Ein Exemplar dieser besonderen Art, die nur auf „schönen Bergen und drumrum“ gedeiht, wurde im Garten des NBHS ausgesät aber dann aus den Augen verloren. Wer Lust und Spürsinn hatte, konnte sich im Laufe des Festes im Garten auf die Suche machen. Der glückliche Finder erhielt noch am Abend einen ganzen Pflanzentopf voller Möhren als Belohnung, die aber noch als Keimlinge in der Erde steckten und bis zur Ernte einige Wochen lang gut gepflegt werden wollten.

Fürs allgemeine Wohlbefinden

Fertig Gekochtes und lecker Gebackenes stand dagegen reichlich auf dem Buffet, serviert vom Catering-Service „Kurve“, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen arbeiten.

Die Bierbänke im Garten luden zum Essen hinterm Haus ein, zum gemütlichen Plaudern unter Kolleginnen und Kollegen und zum gegenseitigen Kennenlernen. Die Live-Band „Miserlou“ brachte mit ihrer Balkan-, Klezmer-, Folk- und Ska-Musik den Saal in rhythmische Bewegung, unterstützt durch so manche Tanzanleitung.

Und wer dann am späten Abend rundum satt, ausgeplaudert und ausgetanzt das Fest verließ, konnte noch einen kleinen Topf mit angesäten Heilkräutern nach Hause mitnehmen: Was aus der Erde heranwachsen würde, war noch nicht zu erkennen, doch sofort war klar, dass bei guter Pflege auch diese noch schwächlich kleinen Pflänzchen sich in Zukunft aufrichten und aufblühen werden.

„In diesem Sinne war das Fest Rückblick und Auftakt zugleich“, schrieb Georg Zinner wenige Tage danach in einem Brief an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegerischen Dienste und stellt darin mit Freude fest, „dass wir doch insgesamt eine beeindruckende Gruppe sind, die gut zusammen feiern und gut zusammen arbeiten kann, die mit Recht stolz auf das Erreichte und Aufgebaute zurückblickt und weiß, dass wir uns nur behaupten können, wenn wir uns weiterhin auf unsere guten Eigenschaften und Stärken besinnen. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich weiterhin bei uns wohlfühlen und noch lange einem der Pflegeteams des Nachbarschaftsheimes angehören.“

 (Text: Hans Ferenz, Fotos: Anita Back und Thomas Protz)

Kontakt

Pflegerische Dienste gGmbH
Holsteinische Straße 30
12161 Berlin
Standort / BVG Fahrinfo

Tel 85 99 51 -22
Fax 85 99 51 -75
E-Mail senden

Sprechzeiten
nach Vereinbarung

Geschäftsführung
Franziska Lichtenstein
Tel 85 99 51 -22

Referentin und Projektbegleitung
Karen Lawerenz
Tel 85 99 51 -20

Alle Kontakte

Veranstaltungen

Aktuelles

Alle Meldungen