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Im Porträt

Menschen im Nachbarschaftsheim: Carmen Tillmann

Die Kulturcafé-Mitarbeiterin Carmen Tillmann im Porträt, Frau mit Brille und längeren roten Haaren
Carmen Tillmann Foto: privat

AUS DEN NACHBARSCHAFTSINFOS 6/2009

Hinaus zu treten interessiert Carmen Tillmann. Hinaus zu gemeinschaftlichen Stadtspaziergängen etwa, auf denen man in einer Gruppe neue Blickwinkel erleben kann. Oder zu Kunstaktionen im öffentlichen Raum, die Menschen, die einander nicht kennen, für einen Moment zusammen bringen. Und dann tritt sie vor allem selbst gern heraus aus ihrem eigenen Kosmos. Die 61 Jahre alte Frau aus Wilmersdorf, die seit kurzem nicht mehr im Berufsleben steht, hat den Kopf voller Ideen und will diese mit anderen teilen. Von Berufs wegen hatte die Pädagogin mit dem Thema „Leben im Alter“ zu tun, sie war in der Gemeinwesenarbeit tätig und hatte zuletzt eine Fortbildungseinrichtung für Pflegekräfte im brandenburgischen Lehnin aufgebaut und geleitet.

Jetzt engagiert sie sich gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen, die Künstler, Kulturschaffende und interessierte Laien im Stadtteil zusammen bringen wollen, im Kultur-Café des Nachbarschaftsheims. So heißen Abende in der Holsteinischen Straße zu unterschiedlichen Themen.

Vieles ist möglich, Carmen Tillmann und fünf weitere begeisterte Organisatoren/-innen stellen seit Anfang des Jahres das Programm auf die Beine. Zwischen Anfang 40 und Ende 60 sind die lokalen Kultur-Netzwerker. „Einmal in der Woche haben wir uns bisher getroffen, um Vorschläge zu sammeln und zu konkretisieren“, erzählt sie. Anfang dieses Jahres fand sich die ehrenamtliche Gruppe auf einen Aufruf des Nachbarschaftsheims hin zusammen, „dann ging es gleich hinein in den Job“, sagt Carmen Tillmann. „Wer hat welche Ideen, welche Kontakte“, waren die Fragen. Ohne Umschweife. Alle seien hoch motiviert, wollen etwas anschieben, erzählt die Ehrenamtliche. Ein beachtliches Spektrum von Veranstaltungen ist aus diesem geballten Engagement erwachsen. Für das zweite Halbjahr 2009 steht jetzt ein dichtes Programm fest. Fast wöchentlich werden Veranstaltungen im „Kulturcafé“ stattfinden, meistens haben sie einen engen lokalen Bezug. Lesungen von Schöneberger Autorinnen oder Autoren sind darunter, Kiezthemen, Musikaufführungen, Kleinkunst oder auch besondere Stadtführungen.

Sie wird auch Protagonistin sein im Kulturcafé: Ende Oktober tritt sie mit dem Theater „Zentrifuge“ im Saal des Nachbarschaftsheims auf. In dieser Gruppe spielt Carmen Tillmann seit langem. In ihrem choreographischen Stück „Last Round up“ nimmt sich das Laientheater des Themas Demenz an, dem allmählichen Schwinden der Erinnerung. Da verbindet sich für Carmen Tillmann wiederum alles, wofür sie sich stark macht: Die Kunst, das Alter, ein gesellschaftliches Engagement und das kulturelle Miteinander.

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