Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

6.06.2017 / Themen Rubriken und Einrichtungen

Über das Vergessen sprechen - Austausch mit Gleichbetroffenen

Wenn Menschen mit der Diagnose Demenz konfrontiert sind, haben sie in der Regel viele Fragen. Doch häufig bleiben Betroffene in dieser Situation mit ihren Sorgen und Nöten alleine. Über dieser Erkrankung liegt immer noch ein Tabu, so scheint es: Über das Vergessen wird nur selten gesprochen, dabei liegen die Vorteile, sich mitanderen darüber auszutauschen auf der Hand.

Frau Mut hatte diesen Arztbesuch schon eine ganze Weile vor sich hergeschoben. Einerseits spürte sie, dass sich etwas verändert hatte: Es fiel ihr schwerer, sich außerhalb ihrer vertrauten Nachbarschaft zu orientieren. Auch suchte sie häufiger nach ihren Schlüsseln. Und in letzter Zeit kam es manchmal vor, dass Fremde sie auf der Straße grüßten "Guten Tag Frau Mut". Offenbar kannten sie sie, doch Frau Mut konnte sich keinen Reim darauf machen woher. War sie wirklich so vergesslich?

Andererseits war Frau Mut sich nicht sicher, ob sie wissen wollte, wie vergesslich sie tatsächlich ist und warum. Wenn der Arzt die Diagnose erst einmal ausgesprochen hat, gibt es kein Zurück, dachte sie. Schlussendlich traf Frau Mut eine mutige Entscheidung. Sie wollte reinen Tisch machen und wissen was los ist.

Nun saß sie im Behandlungszimmer eines Neurologen und der hatte ihr gerade gesagt, dass sie an einer Alzheimer-Demenz erkrankt ist. Wie sollte sie nun weiter machen? Mit wem darüber sprechen?

Über dem Vergessen liegt oft ein Mantel des Schweigens. Dies mag zum einen daran liegen, dass die Diagnose "Demenz" einem Menschen, dem sie gestellt wird, im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen kann. Zum anderen trauen sich aber auch nur wenige Betroffene über ihre Gedächtnisschwierigkeiten und Orientierungsprobleme zu sprechen. Der Preis für dieses Schweigen ist hoch, denn wer nicht über seine Erkrankung spricht, bleibt mit seinen Fragen und Sorgen allein.

Eine kleine Gruppe von Menschen mit Demenz erteilt dem Schweigen nun eine Absage und trifft sich regelmäßig in einer unterstützten Selbsthilfegruppe, um sich mit Gleichbetroffenen auszutauschen. Gemeinsam informieren sie sich über Themen wie Vorsorge, Medikamente und Hilfsmöglichkeiten. Sie suchen selbstbestimmt nach neuen Wegen Dinge zu ändern oder hinzunehmen.

Die Gruppe bietet den Teilnehmer/innen einen geschützten Rahmen zur Auseinandersetzung mit der Diagnose, gegenseitige Akzeptanz und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Und manch ein Teilnehmer tauscht mit der Zeit das Schweigen gegen etwas mehr Gelassenheit ein.

Wann? Jeden 3. Freitag im Monat, 11:00 bis 12:30 Uhr
Wo? Stadtteiltreff "Der Nachbar", Cranachstraße 7, 12157 Berlin (Friedenau)
Infos: Telefon 32 50 08 51

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