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6.10.2020 / Menschen in Schöneberg

Schöneberger Nahe-Freund

Christine Bitterwolf Jeder kennt die großen Weinanbaugebiete wie Mosel, Baden Württemberg und Saale-Unstrut. Aber wer kennt schon den Weinberg in Schöneberg?

Foto: Christine Bitterwolf

Tatsächlich gibt es seit über 30 Jahren in der Gartenarbeitsschule, in der Nähe des S-Bahnhof Südkreuz, einen kleinen Weinberg mit rd. 200 Riesling-Weinstöcken. Er wurde 1988 auf einer Fläche von 500 m2 im Rahmen eines ABM-Programms angelegt, ein dabei beschäftigter griechischer Mitarbeiter, der so etwas in seiner Heimat schon gemacht hatte, war geradezu prädestiniert, eine typische Trockenmauer um den Berg anzulegen. Die Weinstöcke bekam Schöneberg von der Partnergemeinde Kreis Bad Kreuznach an der Nahe geschenkt, die heute noch eng mit dem Weinberg verbunden ist und die Trauben keltert und zu Wein verarbeitet. Deshalb wird dieser Wein auch Schöneberger Nahe-Freund genannt.
Die Schüler, die zu Lernzwecken in die Gartenarbeitsschule kommen, werden allerdings in die Arbeiten am Weinberg nicht mit eingebunden. Auf Wunsch der Lehrer wird der Weinberg aber gerne gezeigt und dabei über den Weinanbau informiert. Die Pflege der Weinstöcke übernimmt der „Verein zur Förderung des Weinbergs und der Gartenarbeitsschule in Schöneberg e.V.“, kurz Förderverein. Die Vorsitzenden des Vereins sind die beiden ehemaligen Schöneberger Bürgermeister Michael Barthel und Rüdiger Jakesch, die den Weinberg damals initiiert hatten.

Die aktiven Mitglieder des Fördervereins müssen dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg angehören oder der Kreisverwaltung Bad Kreuznach. Damit wollte man die enge Verbindung zum Bezirk und zu der Institution Gartenarbeitsschule erhalten und Einflüsse von außen vermeiden. Als förderndes, d. h. zahlendes Mitglied ist jedoch jeder Andere auch willkommen.
Im Januar, wenn viele Winzer zur Grünen Woche anreisen, wird in Schöneberg der Rebschnitt durchgeführt. Dazu kommt eine Delegation der Winzergenossenschaft Rheingrafenberg in Meddersheim angereist, die jeweils am Donnerstag vor der Grünen Woche fachmännisch die kahlen Triebe der Rebstöcke zurückschneidet. Die weiteren erforderlichen Arbeiten im Laufe des Jahres, wie Rückschnitt der Blätter, Auslichten bei zuviel Fruchtansätzen oder Spritzen mit Naturschwefel gegen Mehltau, werden von den Mitgliedern des Fördervereins durchgeführt, die sich im Laufe der Zeit gute Kenntnisse im Weinanbau angeeignet haben. Der Wein wird hier nach den ökologischen Regeln des Weinbaus behandelt.
Jetzt Anfang Oktober kommt es endlich zur Weinlese. Die reifen Trauben werden von den Vereinsmitgliedern geerntet. Bei diesem Anlass wird natürlich auch eine Weinkönigin gekrönt. Im vorigen Jahr war es Petra Dittmeyer. Wer es in diesem Jahr wird, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt, da die Entscheidung immer erst spontan während der Lese getroffen wird. Die Schöneberger Weinkönigin hat auch keine eigentliche Funktion, es ist mehr ein Spaß, weil es eben in den großen Weinanbaugebieten so üblich ist.
Die großen Wannen mit den frischen Trauben werden noch am selben Tag zur Winzergenossenschaft Rheingrafenberg gefahren, wo sie noch am Abend des Erntetages vermostet und dann ausgebaut werden, sodass sie genauso frisch verarbeitet werden wie die Ernte aller anderen Winzer.

Der Schöneberger Weinberg bringt einen durchschnittlichen Ertrag von etwa 500 kg Weintrauben. Daraus werden am Ende ungefähr 450 Flaschen Wein, die von der Winzergenossenschaft wieder nach Berlin zurückgeschickt werden. Die Weinflaschen werden im Rathaus Schöneberg gelagert. Da es hier leider keinen urigen Weinkeller gibt, wurde ein einfacher Aktenraum kurzerhand umfunktioniert. Der Wein kommt allerdings nicht zum Verkauf in den Handel. Er bleibt im Bezirk für repräsentative Zwecke oder wird vom Verein als Dank für Spenden übergegeben. Nach der letzten Sitzung im November gibt es für die BVV eine Weinprobe und auch am „Tag der offenen Tür“ werden Proben an-geboten. Wem der Wein dann so gut geschmeckt hat, dass er eine Flasche mit nach Hause nehmen möchte, der kann dies nur gegen eine Spende von mindestens 10,- Euro tun.
Mit diesen Spendengeldern werden dann neue Projekte in der Gartenarbeitsschule finanziert.

Die Qualität des Schöneberger Weines ist mit der von anderen Weinanbaugebieten absolut vergleichbar.

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