Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

28.05.2020 / Menschen in Schöneberg

Pedro Elsbach - eine Würdigung zum 70. Geburtstag

Eine Würdigung des Menschen, Stifters und engagierten Mitbürgers von Maria Schinnen.

Pedro Elsbach. Foto: Thomas Thieme

Wenn er wollte, könnte er viel Geld verdienen. Die explodierenden Immobilienpreise der letzten Jahre haben viele Vermieter reich gemacht. Pedro Elsbach, der eine ganze Reihe Mietshäuser in den besten Lagen Berlins besitzt, erhält fast täglich Kaufanfragen von Investoren, die seine Häuser liebend gern in Eigentumswohnungen umwandeln würden und Höchstpreise bieten. Aber das will der Friedenauer Vermieter nicht. Er denkt an seine Mieter, die teilweise seit mehr als 30 Jahren in den Wohnungen leben und keine Chance hätten, eine neue Wohnung zu einem ähnlich günstigen Mietpreis zu finden. Deshalb will er sie schützen. Sie sollen sich ihre Wohnungen auch im Alter, selbst bei kleinen Renten, noch leisten können.
„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“ lautet der 2. Satz aus Artikel 14 des Grundgesetzes. Diesen hat Pedro E. zu seinem Leitsatz gemacht und handelt danach. „Man soll nicht gierig sein“ ist ein zweiter Grundsatz. Denn trotz bezahlbarer Mieten und guter Bewirtschaftung kann der „Fairmieter“ immer noch genug verdienen, um davon leben zu können. Und es macht ihm Freude, den Menschen das höchste Gut, ein Dach über dem Kopf zu haben, dauerhaft zu garantieren.

„Man kann auch menschlich handeln, wenn man mit Wohnungen wirtschaftet.”, so der gelernte Immobilienfachwirt. Dieses Anliegen hat er von seiner Mutter, Brigitte Elsbach, übernommen, die als jüdisches Mädchen 1938 mit ihren Eltern nach Uruguay flüchten musste und 1954 gemeinsam mit ihrem Ehemann und dem vierjährigen Sohn Pedro nach Berlin zurückkehrte. Die Wiedergutmachungsleistungen und das Ersparte legte das Ehepaar in Immobilien an und bot durch günstige Preise seinen Mietern die Sicherheit, sich ihre Bleibe auch langfristig leisten zu können. Überschüsse flossen großzügig in Vereine, Selbsthilfeprojekte und an bedürftige Menschen. Um sicher zu stellen, dass dies auch in Zukunft geschehe, gründeten Brigitte und Pedro Elsbach eine Stiftung, in die der vollständige Besitz der Familie einging. Neben günstigen, fairen Mieten werden gemeinnützige Projekte unterstützt. In den Jahren 2018/2019 förderte die Elsbach-Stiftung allein 13 Berliner Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit, kaufte Whiteboards, Flipper, half bei Freizeit-,  Chor- und Klassenfahrten. „Wir unterstützen die, die bereits anderen helfen“, so Pedro E.
Die Stiftungsziele und das Stiftungsvermögen können auch durch nachfolgende Generationen nicht verringert werden. So sind einerseits die Mieten, andererseits die Förderung sozialer Projekte auf Dauer gesichert.

Pedro E. ist aber nicht nur ein fairer Vermieter, ihm liegt auch die Atmosphäre innerhalb der Hausgemeinschaften am Herzen. Deshalb pflegt er sie und sucht bei Problemen nach Lösungen, mit denen alle leben können. In seinem Friedenauer Haus, wo er selbst auch wohnt, organisiert er jedes Jahr ein Sommerfest, bedankt sich bei den Mietern, die sich z. B. gärtnerisch oder mit Reparaturen für die Hausgemeinschaft engagiert haben. „Es ist seine Großzügigkeit, die auch bei den Mietern zu einem großzügigen, achtsamen Umgang miteinander führt“, so ein Mieter. Die Redewendung „Eine Hand wäscht die andere“ wird hier in liebevoller Weise gepflegt! Eine weitere Mieterin äußert: „Er ist ein Mann des direkten persönlichen Kontaktes, ein Mann der kurzen Wege.“ Das sehen auch seine Mitarbeiter so: „Ein Chef, der hinter seinen Werten steht und sie vertritt, für seine Mitarbeiter einsteht, ihnen mit offenem Ohr begegnet. Er ist da, wenn es knirscht und sucht nach Lösungen.“

An dieser Stelle sei auch sein ehrenamtliches Engagement als Vorstandsmitglied im Nachbarschaftsheim Schöneberg erwähnt. Dessen Ziele, den eigenen Wohnbezirk lebenswert zu machen, ein menschliches Miteinander zu fördern und damit zum gesundheitlichen und sozialen Wohlbefinden der Bevölkerung beizutragen, decken sich voll und ganz mit seinen persönlichen Zielen. Daher ist es ihm ein Anliegen, die unterschiedlichsten Projekte des Nachbarschaftsheims zu unterstützen. Besonders die Kultur, die Chöre und das Kultur-Café liegen ihm am Herzen.

Wie sein berufliches, so ist auch sein privates Leben durch Motivation und Einsatzbereitschaft geprägt. Ob beim Lauftraining, bei Laufwettbewerben, beim Marathon oder bei seinen geliebten Chören, er scheut weder Zeit noch Mühe, sich Herausforderungen zu suchen und sie zu meistern. Nicht zuschauen, sondern aktiv mitmachen ist seine Devise. „Er managt, organisiert, kontrolliert die Finanzen, denkt an alles und an alle, ist vorausschauend, ausgleichend, fürsorglich und humorvoll. Seine schalkhaften Kommentare, bei denen er sich gern selbst auf die Schippe nimmt, bringen Leichtigkeit und Freude in jede Gruppe“, so schilderte ein Chormitglied ihn kürzlich. Doch Pedro ist auch ein empfindsamer Mensch, spürt, wenn jemand in einer Krise steckt, zeigt Mitgefühl und bietet Hilfe an.
Seine jüdischen Wurzeln sind ihm wichtig, doch er verabsolutiert sie nicht. Mit 13 Jahren erhielt er von dem berühmten Oberkantor Estrongo Nachama persönlich die Bar Mitzwa (religiöse Mündigkeit) und wurde damit zum vollen Mitglied der Jüdischen Gemeinde. Das Liedgut und die Gespräche mit den Chormitgliedern des Shalomchors und den Kantoren liebt und genießt er. Er liebt aber genauso die christlich geprägten klassischen Werke des Konzertchors Friedenau. Mit Inbrunst singt er die alten deutschen Weihnachtslieder mit.

Im Mai wollte Pedro E. seinen siebzigsten Geburtstag feiern, hatte alles geplant. Wegen der Coronapandemie musste er seine Feier absagen. Das schmerzte. Einige aus dem Chor wollten spontan ein kleines Lifekonzert im Treppenhaus oder vor dem Balkon für ihn veranstalten, doch die Tagesnachrichten verwehrten jegliche Spontaneität. Außer Demonstrationen und Kundgebungen wurde nichts genehmigt. Also entschlossen wir uns, die Polizei selbst um Rat zu bitten und riefen bei der Versammlungsbehörde an. Eine freundliche Polizistin hatte Verständnis für unser Anliegen, sah zunächst jedoch keine Lösung für eine private Zusammenkunft. Dann aber kam ihr die zündende Idee: „Machen Sie eine Demonstration daraus! Schreiben Sie Plakate wie „Gegen Einsamkeit!“, „Gegen Isolation!“, „Für Live-Kontakte!“ Dann können wir es genehmigen. Rufen Sie am besten kurz vor dem Geburtstag noch einmal an! Bis dahin ist mir noch etwas eingefallen.“

Es kam nicht zu der Demonstration. Pedro E. entschied sich, mit seiner Frau zu seinen geliebten Kindern und Enkeln zu fahren und den Geburtstag mit ihnen zu feiern. Trotzdem: Danke, liebe Polizistin! Danke, lieber Pedro und herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag von der Stadtteilzeitung!

Veranstaltungen

Schrittweise Öffnung unserer Einrichtungen

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,
nach und nach werden unsere Einrichtungen, jeweils in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden, schrittweise geöffnet. Bitte informieren Sie sich direkt bei den Einrichtungen und Projekten über Öffnungszeiten, Teilnahmebedingungen und Hygieneauflagen. Informationen dazu erhalten Sie auf den entsprechenden Webseiten oder telefonisch in den Einrichtungen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!