Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

30.07.2014 / Kinder und Jugendliche

Elektro und Auto – geht das?

Christine Roth, ehrenamtliche Helferin im Jugend- und Familienzentrum Jever Neun des Nachbarschaftsheims Schöneberg berichtet über ihre Erlebnisse mit dem Elektroauto.

Renault Zoe vor der JeverNeun

"Elektro und Auto - geht das? Ja, es geht. Meine anfängliche Sorge ist einer großen Begeisterung gewichen. Flott und vor allem sehr leise ist der Renault Zoe. Da muss man schon sehr aufpassen, dass man nicht zu schnell fährt.

Seit 2012 unterstütze ich die inklusive Theatergruppe unSichtbar der Jever Neun beim Fahrdienst. Es handelt sich um eine Theatergruppe für junge Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Als Schaltwagen-Fahrerin und Benzin-Tankerin sah ich damals der Aufgabe, die vor mir stand, relativ gelassen entgegen, Teil des Fahrdienstes zu werden. Als Anfang des Jahres dann aber die Mitteilung kam, wir könnten die Fahrten zukünftig mit dem neuen Elektroauto machen, bekam ich doch ein wenig Bauchgrummeln. So richtig konnte ich den positiven Gehalt der Nachricht nicht auf Anhieb erkennen.Stattdessen kam leichte Panik auf und ich fragte mich:

Neu! Was ist, wenn mit dem neuen Auto etwas passiert? Bisher sind die Fahrten zwar immer problemlos gewesen, aber man weiß ja nie.

Elektro! Was ist, wenn es unterwegs an Strom mangelt? Mein Handy muss beispielsweise mehrmals die Woche aufgeladen werden. Dabei nutze ich es nur zum Telefonieren und nicht zum Fahren.

Automatik-Wagen: Die große Herausforderung

Eine Information war der Mitteilung zu den Elektroautos nicht gleich zu entnehmen: Es ist ein Automatik-Wagen! Ich dachte mir: Was soll ich bloß mit meinem linken Bein und meinem rechten Arm machen? Mein erstes Erlebnis mit einem Automatik-Wagen tauchte aus den Tiefen meines Unterbewusstseins auf. Beim Automatikfahren hatte mein linkes Bein automatisch seine gewohnte Tätigkeit aufgenommen. Durch das Fehlen des Kupplungspedals trat ich nach einem kurzen Anfahren auf die Bremse, was leider dazu führte, dass das Auto abrupt zum Stehen kam. Auch ein zweiter Versuch hatte nicht die nötige Wirkung. So kam ich schnell zu dem Schluss, dass bei meiner Fahrweise ein Automatik-Wagen nichts für mich ist. Der Besitzer des E-Autos klärte mich darüber auf, dass das linke Bein auf der Bremse nichts zu suchen hat. Wie durch ein Wunder konnte ich dann plötzlich doch ganz normal anfahren und bremsen, aber komisch war es dennoch.

Fahrten voller Sorge werden zu Fahrten voller Freude

Alle meine Sorgen haben sich als unbegründet erwiesen. Das Auto bekam keine Beulen. Ich musste auch noch nie verzweifelt nach einer passenden Steckdose suchen. Auch mein linkes Bein tippt nun entspannt zum Takt der Musik und nicht auf die Bremse. Nun kann sogar der Kopf von Tobias, unserem Schauspieler mit Beeinträchtigung, problemlos auf meinem rechten Arm ruhen, wenn er eingeschlafen ist oder er unterstreichen möchte, wie sehr er sich freut. Bisher war das immer ein kleines Problem. Mit seinem Kopf auf dem Arm war ich beim Schalten im alten Auto immer ziemlich stark eingeschränkt. Das hat dann immer Johanna, unsere Schauspielerin mit Beeinträchtigung, auf den Plan gerufen. Sie hat von hinten auf nicht immer besonders sanfte Weise versucht, Tobias in eine aufrechte Sitzposition zu bringen. Inzwischen ist daraus schon fast ein Spiel geworden, bei dem ich jetzt, dank des E-Autos, ebenso viel Spaß habe, wie die beiden.

Und auch das integrierte Navigationssystem weiß ich zu schätzen. Mein Orientierungssinn ist alles andere als berauschend. Schwäche erkannt, Schwäche gebannt – mit dem Navi und dem Ausdruck der Route für den Notfall gewappnet, habe ich jede Fahrt ohne nennenswerte Umwege gemeistert. Es war zwar oftmals lästig, wenn das Gerät während der Fahrt einfach von der Scheibe fiel, aber dann nahm Johanna das Gerät in die Hand und lotste mich, wenn auch mit einiger Verzögerung, durch den Großstadtdschungel.

Umso gestresster war ich bei der letzten Fahrt vor der Sommerpause. Das heißgeliebte Elektroauto war nicht verfügbar und mein Navi zuhause. Ich musste daher den Schaltwagen fahren, was mich etwas nervös machte, da ich mich schon sehr an den Komfort des E-Autos gewöhnt habe. Wider Erwarten verlief die Fahrt aber gut. Jedoch kam schnell wieder die Freude auf, das nächste Mal das Elektroauto zu fahren, mit einem glücklicherweise integrierten Navigationsgerät."

Bericht von Christine Roth

Veranstaltungen

Alle Veranstaltungen