Nachbarschaftsinfos

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Im Blickpunkt

Ein Ruck für beide Seiten

AUS DEN NACHBARSCHAFTSINFOS 1-2/2010

Jobpaten sind ehrenamtlich Engagierte. Sie unterstützen Jugendliche bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Sie haben Berufserfahrung, genau das, was Schulabgängern fehlt. Also helfen sie ihnen dabei, überhaupt ersteinmal eine Berufswahl zu treffen, sich zu bewerben und Ziele stringent zu verfolgen. Auch die Erfahrenen lernen dabei noch vieles. Was, erzählen die beiden Ehrenamtlichen Martina Bandoly und Hans-Jörg Prüfer.

Jobpatin und Schülerin im Gespräch. Foto: Raufeld/Gerd Metzner

Am Anfang stand die Potenzialanalyse: ein Test über Stärken, Interessen und das Arbeitsverhalten. Dabei erkundete Martina Bandoly, 49, gemeinsam mit Daniel, einem 22-jährigen Abiturienten, seine Fähigkeiten und seine Wünsche. Ganz professionell - „und völlig unvoreingenommen“, betont Martina Bandoly, „denn vorher kannten wir uns ja gar nicht“. Allerdings war dieses kein Termin der Arbeitsagentur, und auch kein hoch bezahltes Karriere-Coaching für den jungen Mann, sondern ein privates Treffen mit einer Ehrenamtlichen. Martina Bandoly bietet nämlich ihre Berufs- und Lebenserfahrung als freiwillige Jobpatin an. Sie hilft einem jungen Erwachsenen wie Daniel, zu dem sie über das Nachbarschaftsheim den Kontakt gefunden hat, bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Aus dem Programmheft des Nachbarschaftsheims erfuhr sie von dem Jobpaten-Projekt und dass erfahrene Berufstätige als Mentoren gesucht würden. Seit fünf Monaten ist sie nun dabei.

Ganz persönliche Hilfestellung

„An einem bestimmten Punkt wird diese Arbeit dann ganz besonders“, erzählt sie, „und zwar wenn der junge Erwachsene merkt, dass sich da jemand wirklich nur um ihn kümmert. Von da an macht die gemeinsame Jobsuche noch einmal einen großen Sprung.“ Genau das könnten eben andere Initiativen nicht bieten, fasst die Ehrenamtliche zusammen. Für sie selbst sei das auch ein großer Gewinn, solch einen Durchbruch zu erleben.

Martina Bandoly Foto: privat

Mittlerweile haben sogar alle Bemühungen zum Erfolg geführt. Daniel hat zum Jahresbeginn einen Ausbildungsplatz als Mediengestalter in einer Druckerei erhalten. Martina Bandoly erzählt es mit Stolz. Zunächst einmal war er über eine Zeitarbeitsfirma in eben diesem Druckereibetrieb eingesetzt worden. „Dass er gern Mediengestalter werden wollte, haben wir gemeinsam heraus gefunden“, sagt die Jobpatin. Und dann beschlossen sie, dass er es wenigstens als Leiharbeiter versuchen sollte, in eine Druckerei zu gelangen. Als er wirklich vor Ort war, überzeugte er die dortige Chefin von seinem Können und seiner Motivation. Eine Vielzahl von Wegen könne zum Job führen, so Bandoly, „aber die Hauptsache ist, dass man aktiv ist, nicht aufgibt und dass man unter Leute geht“.

Geordnete Suche nach Wegen

Genau darin, meint sie, könnten Jobpaten wie sie die jungen Frauen und Männer, die noch keine Berufsidee haben, am stärksten unterstützen. Einen Königsweg gäbe es nicht, wohl aber eine geordnete Suche nach Wegen. Und weil sie sich selbst mit den Erfordernissen der modernen Arbeitswelt und dortigen Umwälzungen sehr gut auskennt, will sie das auch ehrenamtlich weitergeben. Gerade macht sich Martina Bandoly selbstständig als Beraterin in genau diesem Bereich, zuvor war die studierte Soziologin und Betriebswirtin lange Jahre mit IT-Projektentwicklungen befasst. „Das freiwillige Jobpaten-Programm unterstütze ich gerne weiter“, sagt sie.

Hans-Jörg Prüfer Foto: NbH

Allerdings gibt es auch keinen lehrbuchartigen Weg, wie der Pate und der Betreute ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Das erfordert Gefühl und oft Geduld. „Wenn´s nicht klappt, dann muss man sich notfalls eine andere Patenschaft eingehen. Das ist eine wichtige Maßgabe bei diesem Ansatz zur Hilfestellung“, erläutert Hans-Jörg Prüfer. Auch er ist seit dem vergangenen Herbst für das Projekt tätig. Der Achtundsechzigjährige, der im Südosten von Berlin wohnt, kommt dafür regelmäßig nach Schöneberg. Bis vor drei Jahren war er Einkäufer in einem großen Industrieunternehmen.

Paten tauschen sich gegenseitig aus

Jetzt betreut Herr Prüfer einen 17-Jährigen, er freut sich über die Fortschritte, die sie zusammen machten. Die Koordinatorin Barbara Tkacz, die im Nachbarschaftsheim das Jobpaten-Projekt leitet, vermittelte auch diese Patenschaft. Sie steht bei Fragen und Problemen für alle Beteiligten zur Verfügung. "Wir werden in unserem Engagement nicht uns selbst überlassen“, sagt Hans-Jörg Prüfer. Einmal im Monat findet im Nachbarschaftsheim ein Treffen der Jobpaten/innen statt, auf dem sie ihre Erfahrungen aus ihrer Arbeit austauschen können.

Zusätzlich gab es in jüngerer Vergangenheit zwei Fortbildungstermine für die Paten/innen. Einmal berichtete eine Berufsberaterin über das Thema „Assessment Center“, also über Eingangstests, die bei größeren Unternehmen gängig sind, ein anderes Mal ging es um die Vielfalt der Ausbildungsplatzwahl, die mittlerweile herrscht. Damit um eine Übersicht in dem Gewirr von betrieblichen Lehrstellen, Berufsbildungsträgern, Qualifizierungsmaßnahmen sowie weiterführenden Fachoberschulen und so fort. „Gerade da haben wir ungeheuer viel gelernt“, lobt Prüfer. Er wolle, sagt er, „als Rentner unbedingt noch einen gesellschaftlichen Beitrag leisten“. Umso wichtiger sei es dann natürlich, sich selbst auf dem neuesten Stand zu halten. Jetzt weiß er etwa, dass es sage und schreibe 350 verschiedene Ausbildungsberufe gibt in Deutschland.

Aus der Jobsuche ein Projekt machen

„Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ ist einer davon. Diesen Beruf möchte der 17-jährige Jugendliche erlernen, den Hans-Jörg Prüfer begleitet. Das erste Mal trafen sie sich gemeinsam mit der Koordinatorin Barbara Tkacz im Nachbarschaftsheim, bei einem minderjährigen Schüler wie in diesem Fall ist dann auch ein Elternteil dabei. So ist der Ablauf immer. Seither treffen sich Pate und Schüler allein einmal pro Woche. „Ich unterstütze und bestärke ihn, aus seinem Berufsziel wirklich ein Projekt zu machen“, beschreibt Prüfer sein Engagement. Gemeinsam hätten sie eine Vorhabens-Liste erarbeitet, in welchen Unternehmen er anrufen und nach einer Lehrstelle fragen soll. Zuvor hätten sie zusammen eine Bewerbungsmappe erstellt, mit aussagekräftigen Inhalten. Ebenso wurden Telefonate mit Unternehmen geübt. Das Ziel, so Prüfer, sei folgendes: „Ein Firmenchef, mit dem er spricht, soll ihn auffordern, seine Mappe zu schicken.“ Nicht von ihm, dem Jobpaten, soll diese Aufforderung kommen. Daran zu arbeiten, macht Prüfer Freude.

INFO: Das Projekt Jobpaten gibt es seit September 2008 im Nachbarschaftsheim, es ist Teil des Kick-Verbunds für Beschäftigung und Qualifizierung. Derzeit werden 14 Jugendliche und junge Erwachsene beraten und unterstützt. Es gibt 27 Jobpaten/innen. Fachlich begleitet werden sie von der Koordinatorin, die ihren Sitz im Nachbarschaftshaus Friedenau hat. Diese wirbt regelmäßig an Schulen, in sozialen Einrichtungen des Bezirks und in regionalen Netzwerken für das Projekt, damit noch mehr Jugendliche, Eltern und Lehrer/innen darauf aufmerksam werden.

Finanziert wird das Jobpaten-Projekt vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales des Landes Berlin.